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Was genau sind eigentlich bioidentische Hormone?

Rund um bioidentische Hormone kursieren viele Aussagen, die manchmal verunsichern können. Gleichzeitig tauchen Fragen auf wie:

  • Sind diese Hormone „natürlicher“?
  • Sind sie besser verträglich?
  • Und was unterscheidet sie eigentlich von anderen Hormonen?

Wir räumen auf mit Mythen und Märchen rund um die Hormontherapie, denn ein genauer Blick hilft, realistische Erwartungen zu schaffen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Inhaltsverzeichnis

  • Was bedeutet bioidentisch?
  • Gibt es rein pflanzliche Hormonpräparate?
  • Bei welchen Beschwerden werden bioidentische Hormone eingesetzt?
  • Sind bioidentische Hormone besser verträglich?
  • Sind chemische Hormone schlechter verträglich?
  • Muss ich die Hormone lebenslänglich nehmen?
  • Können bioidentische Hormone Krebs auslösen?

Was bedeutet bioidentisch?

Der Begriff „bioidentisch“ wird oftmals als rein pflanzliches Hormonpräparat missverstanden. Doch beschreibt er tatsächlich die chemische Struktur der Hormone. Das Besondere an bioidentischen Hormonen ist die exakt gleiche molekulare Struktur wie die Hormone, die der Körper selbst bildet. Der Organismus erkennt sie daher wie körpereigene Hormone und verstoffwechselt sie entsprechend.

Wichtig zu beachten ist dabei, dass „bioidentisch“ in diesem Zusammenhang nicht automatisch natürlich oder pflanzlich bedeutet. Vielmehr handelt es sich um pharmazeutisch hergestellte Arzneimittel, die aus pflanzlichen Ausgangsstoffen synthetisiert werden und deren Struktur den körpereigenen Hormonen entspricht.

Bioidentische Hormone gelten als gut verträglich, sind aber dennoch kein Lifestyle- oder Anti-Aging-Produkt. Eine Hormontherapie sollte stets gut abgewogen und fachlich begleitet werden. Und dabei unterstützen wir Sie gerne – individuell und genau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt.

Gibt es rein pflanzliche Hormonpräparate?

Besonders häufig taucht die Frage auf, ob es auch rein pflanzliche Hormonpräparate gibt und wie sie wirken. Hierbei rückt oft die Yamswurzel in den Fokus. Die Wahrheit ist, die Yamswurzel enthält zwar Diosgenin, eine pflanzliche Vorstufe von Progesteron. Der menschliche Körper kann Diosgenin jedoch nicht selbstständig in Progesteron umwandeln. Ohne chemische Umwandlung im Labor entsteht also kein wirksames Hormon, das einen tatsächlichen Hormonmangel ausgleichen könnte. Das gleiche Prinzip gilt auch für andere hormonähnliche Pflanzenstoffe.

Pflanzliche Präparate wirken demnach nicht wie eine Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen und reichen bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden in der Regel nicht aus. Es gibt aber durchaus pflanzliche Präparate, die bei leichten Beschwerden unterstützend wirken können. Gerne beraten wir Sie hierzu in unserer Praxis.

Bei welchen Beschwerden werden bioidentische Hormone eingesetzt?

In den Wechseljahren kommt es nach und nach zu einem Hormonabfall im Körper, der nicht selten zu Beschwerden und Beeinträchtigungen führen kann. Manche Frauen nehmen nur leichte Veränderungen wahr, andere durchleben ein regelrechtes Hormonchaos, das ihre Lebensqualität spürbar beeinträchtigt. Das müssen Sie keinesfalls hinnehmen. 

Leiden Sie unter den typischen Wechseljahresbeschwerden, kann eine Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen eine sinnvolle Option darstellen, um Ihren hormonellen Mangel auszugleichen.

Typische Wechseljahresbeschwerden sind zum Beispiel:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche, insbesondere nachts oder in Stresssituationen, sind typische Symptome in den Wechseljahren.
  • Kämpfen Sie mit Schlafstörungen und fühlen sich am Morgen wie gerädert? Ein- und Durchschlafprobleme können vom Hormonmangel kommen.
  • Oftmals leiden Frauen in den Wechseljahren unter unerklärlichen Stimmungsschwankungen oder einer permanenten inneren Unruhe, die sie nicht sofort auf einen Hormonmangel zurückführen. Fühlen Sie sich ständig gereizt, nervös, emotional instabil oder vielleicht sogar depressiv, sollten Sie mit Ihrem Frauenarzt darüber sprechen.
  • Auch Erschöpfung und verminderte Belastbarkeit können mit einem Hormonmangel einhergehen. Anhaltende Müdigkeit und fehlende Energie sind oft die ersten Warnsignale.
  • Sie bringen im Job nicht mehr die gewohnte Leistung, weil Sie plötzlich unter Konzentrations- und Gedächtnisproblemen leiden? Manche Frauen fühlen sich bei einem ausgeprägten Hormonmangel sogar so, als hätten Sie einen regelrechten „Gehirnnebel“. Höchste Zeit, die Hormone checken zu lassen.

  • Zyklusveränderungen kündigen sich langsam, aber sicher in der Perimenopause an. Bei anhaltenden, unregelmäßigen oder veränderten Blutungen sollten Sie sich bei Ihrem Frauenarzt vorstellen.
  • Brennen. Juckreiz. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Scheidentrockenheit und Schleimhautbeschwerden sollten Sie keinesfalls aushalten. Denn hier gibt es hilfreiche Methoden, um schnell Abhilfe zu schaffen. Außerdem kann sie der Grund für vermehrte Scheideninfektionen oder Blasenentzündungen sein.

  • Eine verminderte Libido oder eine nachlassende Empfindsamkeit der Geschlechtsorgane kann auch hormonell bedingt sein. Sprechen Sie offen mit Ihrer Frauenärztin darüber, Sie sind damit nicht allein.

  • Sie fühlen sich plötzlich steif und ungelenkig oder leiden sogar unter Gelenk- und Muskelschmerzen? Wer würde da gleich an einen Hormonmangel denken? Bei diffusen Beschwerden ohne klare orthopädische Ursache kann sich jedoch ein Blick auf die Hormone lohnen.
  • Ein Hormonmangel in den Wechseljahren kann unsere Haut- und Haarstruktur negativ beeinflussen. Trockene Haut oder ein vermehrter Haarausfall können dann die Folge sein.

In unserer gynäkologischen Privatpraxis in Frankfurt haben wir uns auf die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden spezialisiert. Unser Ansatz umfasst eine Vielzahl an individuell abgestimmten Therapieoptionen, die von Akupunktur und Homöopathie bis hin zur evidenzbasierten Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen reichen. Dabei entscheiden wir gemeinsam, welche Therapie für Sie die beste Option darstellt, um Ihr Wohlbefinden wiederherzustellen.

FAQs – Häufig gestellte Fragen zur Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen

Sind bioidentische Hormone besser verträglich?

Bioidentische Hormone werden oftmals als besser verträglich empfunden. Das mag daran liegen, dass ihre chemische Struktur den körpereigenen Hormonen gleicht. Somit können sie sich „passender“ an die natürlichen Rezeptoren im menschlichen Körper binden und der Stoffwechsel kann sie wie körpereigene Hormone verarbeiten. Das kann unerwünschte Nebenwirkungen reduzieren, muss es aber nicht. Entscheidend ist die individuelle Anpassung, nicht die Hormonart allein. Darum sollten Sie sich bei der Einnahme von Hormonen immer fachlich begleiten lassen.

Sind chemische Hormone schlechter verträglich?

Bioidentische Hormone sind dem Körper chemisch vertrauter und werden daher oft als besser verträglich wahrgenommen. Die bessere Verträglichkeit liegt aber nicht nur an der Struktur, sondern oft auch an der niedrigeren Dosierung, die sich individuell anpassen lässt. Das bedeutet aber nicht, dass chemische Hormone automatisch schlechter sind, sie sind nur anders wirksam.
Ein synthetisches Hormon kann in bestimmten Situationen medizinisch sinnvoll oder notwendig sein. Darum sollte die Entscheidung stets individuell, indikationsbezogen und fachlich begleitet erfolgen.

Bioidentische vs. synthetische Hormone – direkte Gegenüberstellung

Aspekt

Bioidentische Hormone

Synthetische Hormone

Chemische Struktur

Identisch mit körpereigenen Hormonen (z. B. Östradiol, Progesteron)

Strukturell verändert oder künstlich abgewandelt

Erkennung durch den Körper

Wird wie ein eigenes Hormon erkannt und verstoffwechselt

Kann anders wirken, da Rezeptorbindung verändert ist

Rezeptorwirkung

Bindet meist selektiv an natürliche Hormonrezeptoren

Kann zusätzliche oder stärkere Rezeptoraktivierung auslösen

Stoffwechsel (Abbau)

Entspricht dem natürlichen Hormonabbau

Teilweise andere Abbauprodukte mit eigener Wirkung

Nebenwirkungsprofil

Häufig als „milder“ empfunden (nicht garantiert)

Teils häufiger bestimmte Nebenwirkungen berichtet

Dosierbarkeit

Oft feiner und individueller einstellbar

Meist standardisierte Dosierungen

Darreichungsformen

Häufig transdermal (Creme, Gel, Pflaster), auch oral

Häufig oral, auch Pflaster oder Injektionen

Leberbelastung

Bei transdermaler Anwendung gering

Orale synthetische Hormone belasten häufiger die Leber

Langzeiterfahrung

Gute Datenlage bei bestimmten Hormonen (z. B. Progesteron, Östradiol)

Sehr umfangreiche Langzeitdaten, aber teils widersprüchlich

Missverständnisse

„Bioidentisch“ ≠ natürlich oder risikofrei

Oft pauschal als „schlechter“ wahrgenommen

 

Muss ich die Hormone lebenslänglich nehmen?

Nein. Eine Hormonersatztherapie ist keine unumkehrbare Entscheidung. In vielen Fällen kann eine HRT zeitlich begrenzt begonnen werden, um zu prüfen, ob sich die Beschwerden bessern. Der Beginn sollte ärztlich begleitet erfolgen. Nach einem Beobachtungszeitraum von ca. 8-12 Wochen entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin, ob die HRT fortgeführt, angepasst oder wieder beendet wird. Werden die Hormone gut vertragen, ist die Einnahme über mehrere Jahre sinnvoll. Bei vorübergehend starken Beschwerden nehmen Sie die Hormone in etwa 1–3 Jahre und bei anhaltenden Symptomen beträgt die Einnahmezeit ca. 3–5 Jahre.

Bei einer klaren Indikation und einer regelmäßigen Kontrolle ist es auch möglich, die Hormone längerfristig einzunehmen. Aber Sie entscheiden, wie lange Sie die Hormone nehmen möchten und sich damit wohlfühlen.

Können bioidentische Hormone Krebs auslösen?

Immer noch scheuen sich viele Frauen eine Hormonersatztherapie zu beginnen aus Angst vor einem möglichen Krebsrisiko. Das liegt vermutlich daran, dass aus früheren Studien wie der Women’s Health Initiative (WHI) und der Million Women Study ein erhöhtes Brustkrebsrisiko für bestimmte Formen der HRT, besonders bei kombinierten synthetischen Präparaten hervorgegangen ist. Hier ist es aber wichtig zu wissen, dass sich diese Daten auf frühere Hormonpräparate beziehen. Damals wurden konjugierte equine Östrogene (CEE) aus dem Urin trächtiger Stuten gewonnen. Heute stehen uns für die Hormonersatztherapie zum Glück bioidentische Hormone zur Verfügung, die aus pflanzlichen Ausgangsstoffen gewonnen werden und den körpereigenen Hormonen ähnlich sind.

Das Krebsrisiko hängt allerdings nicht allein davon ab, ob ein Hormon bioidentisch ist oder nicht, sondern von der Art des Hormons, der Dosierung, der Therapiedauer und der individuellen Risikosituation. Die moderne bioidentische HRT gilt nach heutiger Ansicht als nicht hoch riskant, wenn sie richtig dosiert und begleitet wird und weist ein vergleichsweise geringes Risikoprofil auf.

Doch wichtiger als Pauschalaussagen ist Ihre persönliche Risiko Nutzen Abwägung und eine klinisch fundierte, persönliche Risikobewertung Ihrer Frauenärztin.

Haben Sie noch weitere Fragen rund um die Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen? Dann vereinbaren Sie jetzt Ihren persönlichen Beratungstermin bei uns in der Praxis.

Wir nehmen uns gerne für Sie Zeit!

Labordiagnostik

Über die Autorin: Dr. Talea Remy Ebner

Dr. med. Talea Remy Ebner führt als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe seit 2021 eine innovative Privatpraxis in Frankfurt Sachsenhausen. Nach ihrer Ausbildung am Uniklinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt sammelte sie wertvolle Erfahrung im Krankenhaus Sachsenhausen, mit den Schwerpunkten der Geburtshilfe,  operativen Gynäkologie, Endometriose und gynäkologischen Onkologie. 

Dr. Remy Ebner legt großen Wert auf eine individuelle und ganzheitliche Patientenbetreuung inklusive modernster Diagnostik- und Behandlungsmethoden. Schwerpunkte ihrer Arbeit umfassen: Hormonersatztherapie, Teenager und Hormonsprechstunden, Brustdiagnostik, Schwangerschaftsvorsorge und -akupunktur, 3D/4D Ultraschalltechnik sowie Krebsvor- und nachsorge.

Dr. Marc Ebner