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Vaginose oder Scheidenpilz – was steckt hinter Ihren Beschwerden?

Ist die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, kann das ziemlich unangenehm werden. Jucken, Brennen, unangenehmer Ausfluss oder ein komischer Geruch sind eindeutige Signale, dass etwas nicht in Ordnung ist. Doch manchmal sind die Symptome nicht eindeutig und eher dezent. Um auf Nummer Sicher zu gehen, greifen viele Frauen fälschlicherweise sofort zur Pilzcreme aus der Drogerie. Doch was, wenn gar kein Pilz dahintersteckt?

Die bakterielle Vaginose ist eine der häufigsten Scheidenerkrankungen überhaupt und wird trotzdem immer wieder mit einem Scheidenpilz verwechselt. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn die Symptome können sich ähneln, die Ursachen und die Behandlung sind jedoch grundverschieden.

Wer jetzt die falsche Therapie anwendet, riskiert, das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora noch weiter zu stören und die Beschwerden damit zu verschlimmern, anstatt sie zu lindern.

In diesem Ratgeber erfahren Sie:

1. Was ist eine bakterielle Vaginose und was passiert dabei in der Scheide?

Eine gesunde Scheide ist kein steriles Milieu. Sie ist von Natur aus mit nützlichen Bakterien besiedelt, den sogenannten Laktobazillen.

Laboruntersuchungen zeigen, dass sich in einem einzigen Milliliter Scheidensekret einer gesunden Frau bis zu 100 Millionen dieser schützenden Bakterien tummeln. Diese produzieren Milchsäure und halten den pH-Wert der Scheide leicht sauer, meist zwischen 3,8 und 4,5. Das saure Milieu ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der schädliche Keime in Schach hält und so für ein stabiles Gleichgewicht der Scheidenflora sorgt.

Bei einer bakteriellen Vaginose, auch Aminkolpitis oder vaginale Dysbiose genannt, gerät dieses natürliche Gleichgewicht durcheinander. Die nützlichen Laktobazillen nehmen ab, während anaerobe Bakterien wie Gardnerella vaginalis die Überhand gewinnen.

Die Folge: Der pH-Wert steigt an, das Schutzmilieu bricht zusammen und typische Beschwerden entstehen.

Wichtig zu wissen:
Die bakterielle Vaginose ist keine klassische Infektion, die von außen übertragen wird. Sie entsteht aus einem Ungleichgewicht der körpereigenen Bakterienflora und ist deshalb auch nicht ansteckend im eigentlichen Sinne.

2. Welche Symptome sind typisch für eine Vaginose?

Das tückische an der bakteriellen Vaginose ist, dass sie sich nicht immer eindeutig bemerkbar macht. Manche Frauen bemerken kaum etwas, andere erleben deutliche Beschwerden. Folgende Symptome sind typisch:

  • Dünnflüssiger, grau-weißlicher Ausfluss
  • Fischiger Geruch, der besonders nach dem Geschlechtsverkehr oder während der Periode stärker wird
  • Leichtes Brennen oder Jucken – allerdings weniger ausgeprägt als beim Scheidenpilz
  • Veränderter pH-Wert der Scheide (über 4,5)

Rötungen, starkes Jucken oder Schwellungen im Bereich der Vulva sind hingegen eher untypisch für eine Vaginose und können auf einen Scheidenpilz hindeuten.  

Achtung: Rund 50 Prozent aller Frauen mit bakterieller Vaginose bemerken überhaupt keine Symptome. Das bedeutet nicht, dass keine Behandlung nötig wäre, denn auch eine symptomlose Vaginose kann langfristig Folgen haben, wie etwa ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte oder Komplikationen in der Schwangerschaft.

3. Vaginose oder Scheidenpilz – wie lassen sich beide unterscheiden?

Hier liegt das größte Verwechslungspotenzial und gleichzeitig der häufigste Grund, warum Frauen zur falschen Behandlung greifen. Beide Erkrankungen äußern sich ähnlich, haben aber völlig unterschiedliche Ursachen und erfordern deshalb auch jeweils eine andere Therapie.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

Bakterielle Vaginose Scheidenpilz (Candida)
Ursache Überwucherung anaerober Bakterien (z. B. Gardnerella), pH-Wert erhöht Pilzinfektion durch Candida albicans, pH-Wert meist normal
Ausfluss Dünnflüssig, grau-weißlich, gleichmäßig Weißlich, klumpig, käseartig
Geruch Fischig, typisch nach Geschlechtsverkehr stärker Meist geruchlos oder leicht säuerlich
Juckreiz Selten oder kaum vorhanden Ausgeprägter Juckreiz, Brennen
Rötung Meist nicht vorhanden Häufig Rötung und Schwellung der Vulva
Schmerzen Selten Brennen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr
Behandlung Antibiotika (z. B. Metronidazol) Antimykotika (z. B. Clotrimazol, Fluconazol)

Kurz zusammengefasst: Eine Vaginose riecht häufig auffällig, juckt aber kaum. Ein Scheidenpilz juckt und brennt stark, ist aber meist geruchlos.

Achtung: Eine Pilzcreme aus der Drogerie hilft bei einer Vaginose nicht und kann das Scheidenmilieu sogar weiter destabilisieren.

4. Warum ist bei einer bakteriellen Vaginose eine ärztliche Diagnose so wichtig?

Viele Frauen greifen bei Beschwerden im Intimbereich zunächst zu Selbstbehandlungen aus der Drogerie oder Apotheke. Doch genau hier liegt die Gefahr. Wer eine Vaginose mit einem Antimykotikum (einem Mittel gegen Pilze) behandelt, behandelt nicht das eigentliche Problem sondern kann es sogar weiter verschlimmern.

Umgekehrt gilt dasselbe. Behandeln Sie einen Scheidenpilz mit einem Mittel gegen Bakterien, greifen Sie auch die schützenden Laktobazillen an und das kann die Vaginose erst recht begünstigen.

Bei einer diagnostizierten bakteriellen Vaginose verordnet Ihnen Ihr Frauenarzt in der Regel ein Antibiotikum, das gezielt gegen die anaeroben Bakterien wirkt, entweder als Tablette oder als vaginales Gel. In vielen Fällen wird zusätzlich die Wiederherstellung der Scheidenflora mit Milchsäurepräparaten wie zum Beispiel Vagiflor unterstützt.

5. Warum sind Frauen in den Wechseljahren häufiger von einer bakteriellen Vaginose betroffen?

Der sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren kann im Körper einer Frau so einiges durcheinanderwirbeln. Was vielen Frauen oftmals nicht bewusst ist: Der Östrogenspiegel hat auch direkte Auswirkungen auf die Scheidenschleimhaut. Ist das Östrogen dauerhaft im Sinkflug wird die Scheidenschleimhaut dünner, trockener und empfindlicher. Die Fachmedizin spricht dann von einer urogenitalen Atrophie.

Diese Veränderungen haben eine entscheidende Konsequenz für die Scheidenflora. Ohne ausreichend Östrogen produziert die Scheidenschleimhaut weniger Glykogen und genau dieses ist die Nahrungsgrundlage für die schützenden Laktobazillen. Weniger Glykogen bedeutet also weniger Laktobazillen. Die Folge ist ein höherer pH-Wert und damit geht ein deutlich erhöhtes Risiko für eine bakterielle Vaginose einher.

Hinzu kommt, dass Scheidentrockenheit an sich bereits zu Beschwerden wie Brennen, Jucken und einem veränderten Ausfluss führen kann. Symptome, die sich mit denen einer Vaginose überschneiden und die Diagnose ohne ärztliche Untersuchung nahezu unmöglich machen.

Gut zu wissen:
Bei Frauen in den Wechseljahren ist eine bakterielle Vaginose häufiger, gleichzeitig aber auch schlechter erkennbar, weil sich ihre Symptome mit typischen Wechseljahresbeschwerden überlagern. Wenn Sie in dieser Lebensphase Veränderungen im Intimbereich bemerken, sollten Sie diese immer ärztlich abklären lassen.
Wussten Sie schon?

Eine lokale Östrogentherapie – zum Beispiel als Creme, Zäpfchen oder Ring – kann die Schleimhaut in den Wechseljahren wieder aufbauen, die Scheidenflora stabilisieren und so langfristig das Risiko wiederkehrender Vaginosen deutlich senken.

In unserer Privatpraxis für Gynäkologie beraten wir Sie individuell und ausführlich!

6. Was können Sie selbst tun, um einer Vaginose vorzubeugen?

Leiden Sie immer wieder an einer gestörten Vaginalflora und sind damit sehr anfällig für Folgeerkrankungen wie bakterielle Vaginosen? Wir geben Ihnen praktische Tipps an die Hand, wie Sie die Scheidenflora gezielt unterstützen können und das Risiko einer Vaginose deutlich senken.

Hygiene – weniger ist mehr:

  • Waschen Sie den Intimbereich nur mit klarem Wasser oder einer milden, pH-neutralen Waschlotion (pH 3,8–4,5). Parfümierte Duschgels oder Seifen sollten Sie lieber meiden, da sie eine empfindliche Vaginalflora stören können.
  • Verzichten Sie auch auf Intimsprays, Scheidenspülungen (Douchen) und parfümierte Feuchttücher – sie zerstören das natürliche Schutzmilieu.
  • Tragen Sie atmungsaktive Baumwollunterwäsche und vermeiden Sie zu enge synthetische Kleidung.

Ernährung und Lebensstil:

  • Stärken Sie Ihr Immunsystem! Eine ausgewogene Ernährung mit Probiotika (z. B. Naturjoghurt, Kefir, fermentierte Lebensmittel) kann die Darmflora stärken und indirekt auch die Scheidenflora positiv beeinflussen.
  • Rauchen erhöht nachweislich das Risiko für eine bakterielle Vaginose. Vielleicht ein weiterer guter Grund damit aufzuhören?
  • Stress schwächt das Immunsystem und kann das Bakteriengleichgewicht destabilisieren. Gönnen Sie sich genügend Schlaf und Erholung.

Sexuelle Gesundheit:

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome. Sperma hat einen basischen pH-Wert und kann das geschwächte Scheidenmilieu noch mehr aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Auch Menstruationsblut kann das Scheidenmilieu vorübergehend schwächen. Hier können Sie mit Milchsäurepräparaten gut entgegenwirken.
Tipp:
Wenn Sie zu wiederkehrenden Vaginosen neigen, können Milchsäurepräparate (Vaginalgels oder -zäpfchen) vorbeugend eingesetzt werden. Fragen Sie Ihre Frauenärztin nach einer individuellen Empfehlung!

7. Wann sollten Sie unbedingt zur Frauenärztin?

Es gibt Situationen, in denen ein Arztbesuch keine Option, sondern eine klare Empfehlung ist. Bitte stellen Sie sich bei uns vor, wenn:

  • Sie zum ersten Mal Beschwerden wie ungewöhnlichen Ausfluss, Geruchsveränderungen oder Brennen im Intimbereich bemerken.
  • Selbstbehandlungen aus der Apotheke keine Besserung gebracht haben oder die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder auftreten.
  • Sie schwanger sind oder einen Kinderwunsch haben – eine Vaginose kann das Risiko für Frühgeburten und Infektionen erhöhen.
  • Sie sich in den Wechseljahren befinden und zusätzlich unter Scheidentrockenheit leiden.
  • Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden von einer Vaginose, einem Pilz oder einer anderen Ursache stammen.

In unserer gynäkologischen Sprechstunde nehmen wir uns gerne Zeit für Sie. Ein einfacher Abstrich genügt in den meisten Fällen, um Klarheit zu schaffen und die passende Behandlung einzuleiten.

Scheidenpilz oder Vaginose

Über die Autorin: Dr. Talea Remy Ebner

Dr. med. Talea Remy Ebner führt als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe seit 2021 eine innovative Privatpraxis in Frankfurt Sachsenhausen. Nach ihrer Ausbildung am Uniklinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt sammelte sie wertvolle Erfahrung im Krankenhaus Sachsenhausen, mit den Schwerpunkten der Geburtshilfe,  operativen Gynäkologie, Endometriose und gynäkologischen Onkologie. 

Dr. Remy Ebner legt großen Wert auf eine individuelle und ganzheitliche Patientenbetreuung inklusive modernster Diagnostik- und Behandlungsmethoden. Schwerpunkte ihrer Arbeit umfassen: Hormonersatztherapie, Teenager und Hormonsprechstunden, Brustdiagnostik, Schwangerschaftsvorsorge und -akupunktur, 3D/4D Ultraschalltechnik sowie Krebsvor- und nachsorge.

Dr. Marc Ebner