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Experteninterview mit Herrn Dr. med. Marc Ebner zum Thema „Konservative vs. operative Behandlungsmethoden“

In diesem Interview spreche ich mit Dr. med. Marc Ebner, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, in seiner Privatpraxis in Frankfurt. Unser Fokus liegt heute auf dem spannenden Thema der Entscheidungsprozesse zwischen konservativen und operativen Behandlungsmethoden in der Medizin. Hierbei teilt Dr. Ebner, der für seine umfassende Erfahrung und sein Engagement für maßgeschneiderte Behandlungsansätze bekannt ist, seine Perspektiven zu den beiden unterschiedlichen Therapieoptionen.

Elias Moreno (Patient)

Herr Dr. Ebner, in Ihren bisherigen Interviews haben Sie häufig die Vorteile moderner Diagnosemethoden und die Bedeutung individueller Behandlungsansätze hervorgehoben. Können Sie uns erklären, wie Sie bei einem Patienten zwischen konservativen und operativen Behandlungsmethoden entscheiden?

Gern. Zunächst möchte ich betonen, dass es durchaus bestimmte Diagnosen gibt, beispielsweise Frakturen in der Unfallchirurgie, die eine Operation unumgänglich machen. Im Bereich der Orthopädie hingegen werden aus meiner Sicht viel zu oft Operationen durchgeführt, die auch konservativ behandelbar wären.

In unserer Privatpraxis in Frankfurt lege ich einen besonderen Fokus auf die Wirbelsäule und arbeite dabei eng mit PD. Dr. Dr. med. Marcus Rickert zusammen. Derzeit ist er hauptsächlich in der konservativen Therapie tätig, insbesondere bei Rückenleiden, und führt kaum noch Operationen durch. Gerade bei Bandscheibenproblemen, wenn keine neurologischen Ausfälle wie Lähmungen oder Taubheitsgefühle vorliegen, empfehlen wir, zunächst die konservativen Behandlungsmethoden auszuschöpfen. Dies kann eine längere Zeit in Anspruch nehmen und beinhaltet Therapien wie Kortisonbehandlungen, Physiotherapie, manuelle Therapien und Stoßwellentherapie. Die Diagnose stützen wir dabei auf eine umfassende MRT-Diagnostik.

Mein Kollege Marcus und ich haben festgestellt, dass wir so einen Großteil der Operationen vermeiden konnten. Statistiken zeigen, dass es in Deutschland je nach Standort große Unterschiede in der Häufigkeit von Operationen gibt. Leider werden konservative Behandlungen von den Krankenkassen oft schlecht oder gar nicht vergütet und so greifen zahlreiche Ärzte zur „schnellen Lösung Operation“.

Eine Operation ist jedoch nicht immer die beste Option, besonders bei Wirbelsäulenproblemen. Es ist ein Irrglaube, dass nach einer Operation alles erledigt sei und alle Schmerzen der Vergangenheit angehören. Tatsächlich beginnt danach eine intensive, oft 6-8 Monate dauernde orthopädische Nachbehandlung.

Die Entscheidung zwischen einer konservativen und einer operativen Behandlung hängt also von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehört eine spezifische Diagnose, die Überlegung, ob neurologische Symptome vorhanden sind und Ihren individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen als Patient. In unserer Privatpraxis in Frankfurt streben wir meist die konservative Behandlung an, um langfristig die beste Lebensqualität für Sie als Patienten zu sichern.

Sie erwähnten in einem Ihrer Interviews die Bedeutung nicht-invasiver Therapieoptionen wie Stoßwellentherapie und Akupunktur. Wie integrieren Sie diese Methoden in die Behandlung orthopädischer Erkrankungen?

In unserer Privatpraxis in Frankfurt messen wir nicht-invasiven Therapiemethoden wie der Stoßwellentherapie und der Akupunktur große Bedeutung bei. Diese Behandlungsformen sind integraler Bestandteil unseres ganzheitlichen Behandlungsansatzes, insbesondere bei orthopädischen Erkrankungen. Eine präzise Diagnostik ist dabei der Schlüssel zu einer erfolgreichen konservativen Behandlung. Dafür nutzen wir fortschrittliche bildgebende Verfahren. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir haben die operative Lösung als „letzte Option“ stets im Hinterkopf. Unser Hauptaugenmerk liegt jedoch zuerst einmal auf nicht-invasiven Behandlungen.

Die Stoßwellentherapie hat sich dabei als besonders wirksam bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen, wie zum Beispiel Kalkschultern oder Fersensporn, erwiesen. Diese Methode nutzt Druckwellen, um den Heilungsprozess im Gewebe zu beschleunigen und Schmerzen zu reduzieren. Die Akupunktur, eine traditionelle chinesische Medizinpraxis, setzen wir häufig im Schmerzmanagement und bei der Heilungsförderung ein.

Sollte sich nach einer gründlichen konservativen Behandlung zeigen, dass eine Operation notwendig ist, sind wir nicht an ein einziges spezifisches Zentrum gebunden. Für Wirbelsäulenbehandlungen verweisen wir unsere Patienten an PD. Dr. Dr. med. Marcus Rickert, während wir für Schulterdiagnosen eine Zusammenarbeit mit einer Klinik in Heidelberg pflegen.

Okay, Sie ziehen also die konservativen Behandlungsmethoden vor. Aber wann setzen Sie auf eine operative Intervention?

Nun, eine Operation ist für uns immer die letzte Option. Wir greifen zu einem chirurgischen Eingriff erst dann, wenn das gesamte Spektrum der konservativen Orthopädie vollends ausgeschöpft ist. Dazu gehören Infusionstherapien,  3D-Wirbelsäulenvermessungen, Stoßwellentherapie und Akupunktur, Hyaluronsäure Behandlungen und Arthrose-Therapien, Osteoporose Therapien und Orthopädische Schmerztherapie. Außerdem arbeiten wir eng mit Experten aus der Physiotherapie und Ergotherapie zusammen und inkludieren spezifische Ernährungspläne. Erst, wenn diese Methoden nicht greifen und Sie als Patient weiterhin unter erheblichen Schmerzen leiden, denken wir über eine Operation nach. In der Praxis kommt dies eher selten vor. Tatsächlich ist es vielleicht einer von 100 Patienten, bei dem wir uns für eine Operation entscheiden.

In diesem spezifischen Fall bieten Ihnen als Patienten ein umfassendes Beratungsgespräch an. Wir diskutieren ausführlich, welche operative Methode für Ihren Fall die beste ist und an welchem Ort sie am sinnvollsten durchgeführt werden sollte. Es ist uns wichtig, dass Sie alle verfügbaren Behandlungsoptionen verstehen, einschließlich möglicher Risiken, Erfolgsaussichten und der zu erwartenden Erholungsphase. Erst dann können Sie eine informierte Entscheidung treffen, mit der Sie sich wohl fühlen.

Wie beurteilen Sie die Langzeitfolgen konservativer Behandlungsmethoden im Vergleich zu chirurgischen Eingriffen, insbesondere in Ihrem Fachgebiet der Orthopädie?

Vor allem in der konservativen Wirbelsäulenorthopädie liegt unser Hauptaugenmerk darauf, Sie als Patienten ohne invasive Eingriffe oder Operationen schmerzfrei zu bekommen. Bei einer Wirbelsäulen-Operation werden oftmals weitere Wirbel und angrenzende Bereiche beeinträchtigt. Vielleicht wird es durch ein Beispiel klarer. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen operativen Eingriff am Wirbelsegment L4/L5, also an 2 Ihrer Lendenwirbel. Die Operation verläuft optimal und Sie fühlen sich vielleicht für die folgenden Jahre gut. Doch dann passiert es oft, dass das gleiche Problem bei angrenzenden Wirbelsegmenten, also weiter unten oder oben an Ihrer Wirbelsäule, auftritt. Sie haben also das nächste Bandscheibenproblem oder Verschleißerscheinungen beziehungsweise Versteifungen. Eine Operation kann glücken und zum langfristigen Erfolg führen, muss aber nicht zwingend die definitive Lösung sein. Wir beobachten oft bei OP-Patienten, dass sich das Problem nur zeitlich und räumlich verschiebt. Langfristig kann dies dazu führen, dass sogar mehrere Bereiche Ihrer Wirbelsäule über die Jahre betroffen sein werden.

Im Bereich der Hüftorthopädie verhält es sich etwas anders. Hier ist der Behandlungsweg aus unserer Sicht klarer. Zwar lässt sich eine Hüftarthrose im Anfangsstadium auch gut mit sämtlichen konservativen Methoden behandeln. Sollte die Arthrose jedoch weit fortgeschritten sein, ist eine OP gut möglich und hat nicht den bei der Wirbelsäule beschriebenen Nachteil der Problemverschiebung. Oft fahren Menschen mit einer künstlichen Hüftprothese schon bald wieder schmerzfrei Ski.  Lediglich der Zeitpunkt für eine Hüftprothese sollte gut gewählt sein, da sie nach 20 Jahren ersetzt werden muss. Älteren Menschen sollte diese OP aus meiner Sicht nicht mehr zugemutet werden.

Was ich sagen will: Die Wahl der Behandlungsmethode hängt stark von Ihrer spezifischen Krankheit und dem Stadium der Erkrankung ab. In zahlreichen Fällen bieten konservative Methoden jedoch Vorteile in Bezug auf Ihre langfristige Gesundheit und Mobilität, insbesondere bei Erkrankungen der Wirbelsäule.

Wie sehen Nachsorge und Rehabilitation nach konservativen Behandlungen im Vergleich zu operativen Eingriffen aus?

Nachsorge und Rehabilitation sehe ich als integrale Bestandteile der konservativen Therapie, nicht als separate Phasen. Das komplexe Zusammenspiel aus Orthopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und Ernährungsberatung habe ich vorhin beschrieben. Ich lege also ich einen Therapieplan fest und begleite Sie als Patienten auch weiterhin eng, z.B. in der Physiotherapie-Phase. Auch während der Betreuung durch die exzellenten Physiotherapeuten im Physiotherapie-Zentrum Bomi begleite ich weiterhin Ihren Genesungsprozess. So tausche ich mich während der gesamten Behandlungsdauer, die bis zu 12 Sitzungen umfassen kann, regelmäßig mit den Kollegen über Ihre Fortschritte aus.

Dieses Vorgehen unterscheidet sich grundlegend von der Nachsorge und Rehabilitation nach operativen Eingriffen. Hier stehen Sie nach der Operation vor einem langen und oft mühsamen Weg. Die Erholungszeit kann bis zu 1 Jahr dauern, bis Sie alltägliche Aktivitäten wieder problemlos bewältigen können.

Welche Rolle spielen Patientenpräferenzen und -erwartungen in Ihrer Entscheidungsfindung zwischen konservativen und operativen Therapieoptionen?

Natürlich kommen viele Patienten mit bestimmten Vorstellungen und Erwartungen in unsere Praxis, wie beispielsweise, dass eine OP das Heilmittel sei und sie sich danach wieder wie neu geboren fühlen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Sie als Patient unmittelbar nach einer Operation sofort schmerzfrei und vollends rehabilitiert sind. Tatsächlich haben viele Patienten auch nach einer Operation noch Schmerzen.

Dem Spezialisten-Team, mit denen ich zusammenarbeite, und mir ist es jedoch wichtig, dass wir Ihnen als Patienten einen neutralen und individuell abgestimmten Behandlungsweg aufzeigen. Wir erläutern Ihnen sowohl konservative als auch operative Behandlungsmethoden transparent und verständlich, so dass Sie letztendlich eine informierte Entscheidung treffen können.

Wenn wir als Ärzte zu der Einschätzung kommen, dass eine Operation der einzige oder beste Weg für Ihre Behandlung ist, dann werden wir Ihnen das klar kommunizieren. Es ist jedoch ebenso wichtig, ausführlich mit Ihnen über Ihre persönlichen Bedürfnisse, Erwartungen und möglichen Bedenken zu sprechen.

In unserer Privatpraxis in Frankfurt können wir die Vorteile bei allen konservativen Behandlungsmethoden für Sie als Privatpatienten glücklicherweise vollends ausschöpfen. In einem anderen Interview habe ich die Unterschiede zwischen den Abrechnungsmodellen von gesetzlichen und privaten Krankenkassen ausführlich erklärt. Falls Sie das Thema näher interessiert, schauen Sie gern hier.  

Wie sehen Sie die Zukunft der konservativen Therapie im Vergleich zu operativen Eingriffen in Ihrem Fachbereich?

Die Zukunft der konservativen Therapie in der Orthopädie und Unfallchirurgie sehe ich mit stark gemischten Gefühlen. Einerseits gibt es durch die fortschreitenden technologischen Entwicklungen in der Medizin immer mehr Möglichkeiten, nicht-invasive Behandlungen effektiver und zielgerichteter durchzuführen. Das Potenzial, Patienten mit konservativen Methoden effizient und nachhaltig zu behandeln, ist also größer denn je.

Andererseits stehen wir vor wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen. Die konservative Orthopädie ist vor allem für Ärzte, die über gesetzliche Krankenkassen abrechnen, finanziell weniger lukrativ im Vergleich zu operativen Eingriffen. Insofern ist es für gesetzliche Krankenkassen zunehmend weniger interessant, konservative Behandlungen anbieten. Die Tendenz geht also immer mehr zur operativen Behandlungsmethode. Dies ist aus meiner Sicht keine optimale Entwicklung für die Patientenversorgung.

Die Universitätsklinik Frankfurt hatte früher zum Beispiel eine eigene Abteilung für konservative Orthopädie inne. Diese existiert heute nicht mehr, weil sie sich finanziell nicht mehr trägt. Solche Entwicklungen zeigen, dass die Zukunft der konservativen Therapie nicht nur von medizinischen, sondern auch von wirtschaftlichen Faktoren abhängt. Meiner Meinung nach ist es aber wichtig, ein Bewusstsein im Gesundheitssystem als auch in der Ärzteschaft zu schaffen, dass konservative Behandlungsmethoden nicht nur finanziell, sondern vor allem aus Sicht der Patientenversorgung und -gesundheit einen hohen Wert haben.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Dr. Ebner.

Sehr gern.

Über den Autor: Dr. Marc Ebner

Dr. med. Marc Ebner, versierter Orthopäde und Unfallchirurg, betreibt mit seiner Frau Dr. med. Talea Ebner seit 2021 eine Privatpraxis in Frankfurt. Seine Ausbildung erhielt er an der Universitätsklinik Frankfurt und der Hochtaunus Klinik in Bad Homburg.

Dr. Ebner ist spezialisiert auf innovative Behandlungsmethoden in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Ein Schwerpunkt seiner Praxis liegt auf moderner bildgebender Diagnostik, insbesondere auf dem Einsatz von MRTs, um seinen Patienten eine präzise und umfassende medizinische Betreuung zu bieten – weit über die Grenzen der traditionellen Kassenmedizin hinaus.

Dr. Marc Ebner